Donnerstag, 20. August 2009

Nebensachen

Ja, es gibt einiges zu erzaehlen.
Ich habe jetzt vor einer guten Woche meine Arbeit begonnen. Macht mir bis jetzt viel Spass, obwohl es schon sehr anstrengend ist. Bis jetzt haben wir allerdings nicht nur auf der Strasse gearbeitet, sondern auch ein bisschen gebastelt, solche kleinen Kaertchen, die die Arbeiter erhalten und wo dann ihr Saldo festgehalten wird. Nach der Arbeit bin ich auch immer etwas erschoepft (ich habe nach dem Kindergarten wohl verdraengt, wie muehsam schneiden und kleben ist). Jedenfalls werde ich ein ander Mal mehr ueber meine Arbeit erzaehlen und heute mal eher ueber Freizeitgestaltung...

Eines schoenen Sonntags (der vor zwei Wochen) hat uns die Lust gepackt, nach El Alto zu fahren, da wir hoerten, es solle dort einen schoenen riesigen Markt geben. Und dem war auch so! Mega-gross, man kann alles kaufen und hat eine atemberaubende Aussicht ueber La Paz































Wirklich alles, was man sich vorstellen kann. Und da hab ich natuerlich auch reingehauen. Ich habe Batterien fuer meinen aus Deutschland mitgebrachten Funkwecker gekauft, um am Abend darauf festzustellen, dass der hier gar keinen Funk empfaengt...
Darueberhinaus habe ich eine bolivianische Muetze gekauft (Bild wird folgen) und ich habe das erste mal gehandelt hier: Ein Fernglas habe ich gekauft, das ich vielleicht mal auf Reisen gut gebrauchen kann und es war ein harter Kampf, die Verkaeuferin und ich haben uns gebattled und ich habe von 75 auf 60 Bolivianos runtergehandelt (jaaaaah, habe meine ersten 1,50 Euro gespart!!)


































Es gab auch alle moeglichen Tiere zu kaufen, wie diese Schafe hier. Als ich meiner coordinadora, meiner Arbeitsbetreuerin Carmiña vorgestern erklaeren wollte, was fuer Tiere ich auf El Alto gesehen habe, wusste ich allerdings nicht, dass Schaf oveja heisst. Natuerlich wusste ich auch nicht, was Wolle heisst und so war es nicht ganz einfach, ihr den Begriff zu erklaeren. Letzten Endes hab ich einfach ein saloppes maaaeeehhh von mir gegeben, dann erst ist der Funke uebergesprungen.

Am Dienstag darauf waren wir dann auf dem Konzert von Daddy Yankee. Wir waren zwar etwas entfernt von der Buehne und statt halb 9 fing es zwei Stunden spaeter an. Aber es war dennoch ganz cool und hat viel Spass gemacht.















Inzwischen hab ich auch schon zweimal meine Waesche gemacht und Mama, du kannst stolz auf mich sein, die Waesche ist nicht eingegangen!!
Mit dem Loch in meiner Zimmertuer habe ich mich schon laengst abgefunden und die kaputten Schubladen von meinem Schrank hab ich wieder irgendwie zum laufen gebracht.
Auch beim Kochen muss man sich umgewoehnen, denn aufgrund der Hoehenverhaeltnisse ist der Luftdruck geringer, was zur Folge hat, dass hier das Wasser schon bei 90º oder so kocht. Ein Fuenf-Minuten-Ei schmeckt hier also etwas weicher.

Letzten Sonntag wollten wir alle eigentlich die Death-Road mit dem Fahrrad runterfahren, ist aber leider ins Wasser gefallen, also jetzt nicht das Fahrrad, sondern die Tour. Stattdessen habe ich meinen Reisefuehrer geschnappt und eine Walking-Tour durch La Paz gemacht. Er versprach mir farbenfrohe Hochzeiten an der Iglesia San Francisco, dem war nicht so. Danach ging ich ein paar Strassen entlang, wo man ebenfalls sehr viel kaufen konnte. Ich habe wiederum meine mega-ausgefeilten Verhandlungskuenste spielen lassen und einiges Geld liegen lassen.
Es ging auch durch den Schwarz- und den Hexenmarkt. Dort kann man abgetriebene Lamafoeten kaufen (siehe unten), die irgendwie als Gluecksbringer beim Hausbau miteingebacken werden.














Es gibt auch immer wieder witzige Missverstaendnisse: Als wir mal Essen waren und ich ein Wasser bestellte, fragte mich die Bedienung "con gas?" also mit oder ohne Kohlensaeure und ich habe verstanden "con Glas?" und habe gar nicht geschalten, dass die Bedienung ja kein Deutsch spricht und einfach ja gesagt.

Jo, ansonsten sind inzwischen schon einige der Volontaere krank gewesen (Salmonellen und Verdacht auf Schweinegrippe heisst es), auch ich fuehle mich dieser Tage nicht allzu fit, aber nichts schlimmeres, als ich es sonst immer hatte. Also ein bisschen erkaeltet und etwas Unwohlsein, denke aber, dass ich weiterhin auf der Arbeit erscheinen kann.

Ich hoffe, bei euch allen ist alles klar. Habe gehoert, es soll gerade ziemlich heiss sein in Alemania.

Liebe Gruesse an euch alle!!

Mittwoch, 12. August 2009

Die Entscheidung ist gefallen!

So, gerade haben wir uns entschieden, welche Projekte wir ab morgen machen werden.


Nach einem ziemlich entspannten Wochenende fing am Montag alles mit der Arztuntersuchung an. Urinprobe, Blutabnahme, Allgemeinuntersuchung, Roentgen und schliesslich noch der Zahnarzt. Bei allen Volontaeren ist alles in Ordnung, bis auf die immense Menge an Karies an eben den Zaehnen, wo wir mal Fuellungen bekommen haben... da hilft auch die neue elektrische Zahnbuerste nicht weiter. Ich werd´s mal mit Zahnseide probieren.

Am Montagmittag fingen wir dann an, die Projekte zu besuchen. Ich ging mit einer anderen Volontaerin in´s Hospital von der Fundación. Morgens Patient - Mittags Chefarzt.
Ne, so war´s dann auch nicht, erstmal durften wir in die Mitarbeiterkantine, weil wir noch zu frueh dran waren. Ich war erstaunt, denn es gab tatsaechlich Linsen mit geschnittenen Saitenwuerstchen drin. Zwar keine Spaetzle dazu, hat aber echt gut geschmeckt. Das Essen hier ueberhaupt geht ziemlich gut runter. Es gibt immer Suppen zur Vorspeise, dann meistens was mit Huhn und Reis, bzw. Gemuese und zur Nachspeise eine Frucht.
Zurueck zum Hospital: Nach dem Essen und etwas Wartezeit bekamen wir Arztkittel. Ich fuehlte mich einen Moment wie J.D. nur ohne Stetoskop. Allerdings war es dann um ehrlich zu sein etwas enttaeuschend, da die ganzen Mitarbeiter offenbar nicht richtig wussten, dass wir kommen wuerden. So wurden wir immer wieder vom einen zum anderen geschoben, ohne jetzt richtig in Erfahrung zu bringen, was wir so tun muessen.
Ich habe mich dann auch nicht fuer das Hospital entschieden. Auch wenn die Volontaere, die am darauffolgenden Tag dort waren vom Hospital geschwaermt haben, konnte es bei mir nicht allzuuuu viele Punkte sammeln.

Gestern war ich dann im Projekt Trabajadores. Wir sind mit dem Projektleiter um die Stadt gezogen, haben immer wieder bei Schuhputzern und Verkaeuferinnen gehalten, mit ihnen gesprochen und je nach deren Belieben einen Geldbetrag in ihre "Sparkasse" aufgenommen, welchen sie jederzeit wieder abheben koennen. Es war etwas erschoepfend, da wir viel rumgelaufen sind, hat aber ziemlich Spass gemacht.

Heute letztendlich waren wir im Casa Esperanza. Einem Heim voller Jungen ab sieben, wenn ich es recht weiss, bis zum aeltesten von 17 Jahren. Morgens haben wir ihnen bei ihrem Unterrichtsstoff geholfen (Lesen und Multiplikation von Bruechen, was mir -bei aller Bescheidenheit- aufgrund von Abitur nicht allzu schwere Probleme bereitet hat ;) ). Mittags gab es Essen (ja, Reis mit eingeschnetzeltem Huehnchen) und dann haben wir noch Fussball und Tapas gespielt. Das sind ganz normale Flaschendeckel: Wer seinen von ein paar Metern Entfernung am naechsten zur Wand schnippen kann, darf anfangen und muss versuchen, mit seinem Deckel den eines anderen abzuschippen und kann ihn dann einkassieren. Verfehlt er jedoch, dann kommt der naechste dran. So simpel wie amuesant. Ich hatte leider meine Kamera nicht dabei, sonst haette ich hier ein bisschen gezeigt.

Nach meinem ausgewogenen, selbstgemachten Spiegelei-Abendessen (wie fast jeden Abend bis jetzt) haben wir uns dann alle getroffen, um die Auswahl der Projekte zu verkuenden. Ich war hin- und hergerissen zwischen Trabajadores und Casa Esperanza, musste mir sogar eine Pro-Contra-Liste machen und habe mich letztendlich fuer ersteres entschieden. Denn auch auf die Gefahr hin, dass es vielleicht mal ein bisschen monoton werden kann, ziemlich immer die gleiche Strecke abzulaufen, war ich trotzdem eher davon angezogen.

Morgen frueh wird es dann gleich richtig losgehen, ich bin mal gespannt!

Donnerstag, 6. August 2009

Begegnungen mit der bevorstehenden Arbeit

So, back from Achocalla. Es war eine Fahrt von einer guten Stunde und wir sahen eher mal was vom laendlichen Bolivien. Wirklich wunderschoen.





























In Achocalla uebernachteten wir dann in einer Jugendherberge, doch zuerst bekamen wir den Grossteil der moeglichen Projekte von den jeweiligen Leitern vorgestellt, alles auf spanisch. Das ist mit der Zeit ganz schoen anstrengend, aber wir haben alle das Wesentliche verstanden und auch schon die eigenen Favoriten entwickelt. Bei mir sind das "trabajadores", hier muss man zu Arbeitern auf der Strasse gehen, mit ihnen reden, Sachen unternehmen, ihr verdientes Geld einsammeln und verwalten (sozusagen Sparkasse sein), etc. und dann waere da noch das "Casa Esperanza", ein Jungenheim, das ich allerdings eher bevorzuge, nicht zuletzt darum, weil man dort auch samstags arbeiten kann, damit kann man dann wiederum sich in der darauffolgenden Woche den Freitag freinehmen. Ganz praktisch, wenn man mal ein bisschen rumreisen will.

Unterhalb von der Jugendherberge konnte man auch ein bisschen rumwander und -klettern in einer Art Mini-Canyon.

Hier bin ich in chilliger Karcher-Pose. Der Karcher war so ziemlich der abgechillteste Lehrer, den ich je hatte (mphh)!!






























Und hier spiele ich die Anfangsszene aus einem sehr beruehmten Walt Disney - Film nach. Wer es nicht erkennt: Der Stein, den ich (hier links im Bild) in den Haenden halte (der schlecht zu sehen ist und mal ueberdimensional schwer war) soll einen Baby-Loewen darstellen. Unten muesst ihr euch jetzt nur noch sich verbeugende Zebras und Giraffen vorstellen und dann habt ihr bestimmt die Loesung!
Nur zum Vergleich: http://www.youtube.com/watch?v=l30OkS94pYE
(ungefaehr auf 3min 30)


Gestern besuchten wir dann auch einige Projekten, um sich noch ein besseres Bild verschaffen zu koennen. Wir waren im Maedchenheim, Kindergarten und besagtem Casa Esperanza, wobei diese Jungs nicht da waren. Sie waren auf Umzuegen, welche gestern und heute andauerten, da heute ein bolivianischer Nationalfeiertag ist. Es sind dort auch viele Kinder mitgelaufen, was echt witzig war mit ihren Verkleidungen.










































Viele Jungs waren als Soldaten verkleidet.
















Hier sind dann noch Bilder von der Schule, wo man auch arbeiten kann.
















Und das war im Kindergarten zur Nachmittagszeit, wo es sich noch gehoert, ein Nickerchen zu machen :)


Morgen lernen wir dann noch das Hospital kennen, was fuer mich bis jetzt auch mal eine Alternative waere. Bin mal gespannt, wie sich alles entwickeln wird.


Eine kleine Korrektur gegnueber meinem letzten Eintrag muss ich noch bringen: Und zwar dass der Padre nicht der Gründer des "Foerdervereins" ist, sondern der FUNDACIÓN ARCO IRIS, Pfarrer Neuenhofer wird vom Förderverein mit Sitz in Rottweil untersützt.

Sonntag, 2. August 2009

Erste Woche vorbei

Ja jetzt ist mal Sonntag und die erste Woche ist dann jetzt praktisch rum.
Die WG lebt sich langsam ein und auch wenn der eigentliche Eigentuemer - die Katze - aufgrund von Allergie eines Mitbewohners seit wir ankamen nicht mehr ins Haus darf, fuehle ich mich langsam ganz wohl. Auch wenn sie nachts immer voll wimmert... vielleicht lass ich sie mal heimlich in mein Zimmer rein^^, denn ich habe das Glueck ein Einzelzimmer zu besitzen, allerdings mit sehr bescheidenem Blick ueber die Stadt!

Vorgestern bekamen wir im sogenannten Casa de Paso einen ersten Einblick ueber die Arbeit, die auf uns zukommen wird. Da koennen die Jungs von der Strasse wohnen und essen und da befinden sich eben mehrere Projekte, wie auch Kleinkinderbetreuung oder Hausaufgabennachhilfe. Die Jungs haben da dann Fussball gespielt und wir sind einfach mal miteingestiegen. Ich hab ja schon davon gehoert, wie es ist, so weit oben sich koerperlich anzustrengen und wie ich so bin, hab ich halt auch gleich vollgas gegeben - fuenf Minuten gespielt, 15 Minuten tot... hat jedenfalls viel Spass gemacht, man fuehlt sich nur, als ob man Kettenraucher waere.
Wir haben dann auch ein Mittagessen bekommen, zur Vorspeise Suppe und dann Haehnchen mit Gemuese.
Spaeter hat sich dann der Gruender von dem Foerderverein wo ich bin vorgestellt. Der Pfarrer Josef Maria Neuenhoffer hat "Arco Iris" vor 15 Jahren gegruendet und hier nennen ihn alle nur: den Padre.
Er hat erzaehlt, worauf wir hier in Bolivien aufpassen muessen: dass zum Beispiel ein Junge vom Casa de Paso herkommt und dich umarmt, waehrend ein anderer deine Kamera klaut.
Und am Abend hatten wir schliesslich noch eine Marienandacht auf spanisch. War schon ein ereignisreichr Tag.

Gestern hatten wir eine Stadtrallye, bei der wir unsere Stadtviertel besser kennenlernen konnten. Wir mussten viel umherlaufen und ich glaube, nach meiner fussballerischen Hoechstleistung bin ich ganz gut an die Hoehe gewoehnt. In der Stadt haben sich einige Volontaere Fleecejacken bestellt, die sie nach ihrem Gestalten dann naechste Woche abholen koennen. Mir ging das zu lange, dann habe ich gleich eine fertige Jacke gekauft, so eine bolivianische.

Heute haben wir frei und morgen fahren wir nach Achocalla, wo wir auf einem zweitaegigen Seminar mit den Projektbetreuern alle Arbeiten kennenlernen. Dies weitet sich dann insofern aus, dass wir naechste Woche auch in die Projekte reinschnuppern duerfen und uns letztendlich fuer eines entscheiden muessen. Ich bin mal sehr gespannt und freue mich schon drauf, dass wir bald mit der Arbeit loslegen koennen!!

Ach ja, wir haben noch neue Mitbewohner bekommen fuer die WG, und zwar zwei Englaenderinnen, dies hat den Vorteil, dass wir nun auch unser englisch verbessern koennen.