Die Leute hier sind schon hilfsbereit und nett, finde ich.
Und es gefällt mir ja auch echt gut. Aber manchmal ärgere ich mich. Auf der
Straße ist man hier das weiße Schaf, es ist ja süß, wenn die Kinder im Singsang
und wiederholt sagen „How are you? How are you?“ bis man sagt „fine, and you?“.
Man merkt schon, die afrikanischen Kinder sind weitaus härter im Nehmen als
europäische, die saugen eine gewisse Standfestigkeit schon mit der Muttermilch
auf, aber ab und zu sieht man dann doch mal ein Kleines weinen und wenn ich
dann vorbeilaufe und es mich sieht, dann tut auf einmal nichts mehr weh,
hahaha, die stehen dann einfach mit verrotzter Nase da und schauen mich an. Oder
wenn sie von der Ferne Mzungu rufen, manchmal sind das ganze Schulen im
Pausenhof am Weg, dann winke ich und dann freuen die sich alle so, das fühlt
sich an, als wenn man ein Promi wär und alles was man tun muss, ist lächeln und
winken. Da freue ich mich dann auch und versuch auch ein bisschen sie auf
Souaheli zu grüßen. Aber viele Erwachsene starren einen an wie wenn ich eine
Mango mit Gesicht wäre, und hinter dem Rücken rufen sie dann auch Mzungu, nicht
gerade respektvoll. Aber im Großen und Ganzen sind sie sehr kontaktfreudig. Die
Männer auf der Straße nennen mich immer John Kamau, keine Ahnung, wer das sein
soll.
In meinem Büro arbeiten zwei weitere Praktikanten aus Kenia
und eine aus Tanzania, die Arbeitseinstellung hier ist etwas, das man erst mal
akzeptieren muss, wenn man aus so einem arbeitsorientierten Land wie
Deutschland kommt. Wenn ich zur Schule laufe zum Unterrichten, dann gehen sie
schon immer mit, aber es ist eigentlich nur eine von ihnen, die tatsächlich auch
unterrichtet, die anderen begnügen sich dann mit ihren Handys zur meisten Zeit.
No ed hudla
Zuverlässigkeit: Nach den Wahlen hörte man jeden Tag, die
Ergebnisse kämen am darauffolgenden Tag raus, man kann sich nie so wirklich auf
die meisten Aussagen verlassen. Andere Praktikanten meinten auch, sie hätten
mal nach dem Weg gefragt und von verschiedenen Menschen total falsche
Informationen bekommen. Aber da hab ich persönlich bessere Erfahrungen gemacht.
Bildung: Es wird mir hier das erste Mal richtig bewusst,
welchen Stellenwert die Bildung im Leben hat. In einem mitteleuropäischen Land
nimmt man das halt hin, aber es ist nicht schön, wieviele Kinder hier in den
Slums den ganzen Tag einfach nur auf der Straße verbringen und keine
Möglichkeit zum Lernen haben, da fängts oft schon bei der Schuluniform an,
woher sollen die überhäufigen alleinerzeihenden Mütter das Geld nehmen. Und in
vielen Schulen sind auch die Lehrer alles andere als ausgebildet, lehren oft
direkt nach ihrem Schulabschluss, einige reden kein gutes Englisch und wie ich
in einem Gespräch zwischen meiner tanzanischen Mitpraktikantin und einem
kenianischen (besser ausgebildeten) Lehrer erfahren durfte, ist das kenianische
Souaheli ebenfalls ziemlich verkorkst und unsauber. Sie meinte, wenn sie sich
hier auf Souaheli unterhalten wolle, könne sie die Kenianer nicht verstehen.
Des weiteren gibt´s hier auch viel zu wenig Angebote, an denen sich die Kinder
ausprobieren und Talente feststellen oder entwickeln können. Ganz zu schweigen
davon, sich und ihre Wünsche zu verwirklichen… Aber die Kinder lernen gerne, wenn sie die Gelegenheit haben.
Heimat- und Sachunterricht von den hiesigen Lehrern
Nach einer gewissen Zeit passt man sich halt auch wirklich
an. Wenn ich so zur Arbeit laufe, dann musste ich schon öfter feststellen, dass
meine Schrittgeschwindigkeit drastisch gefallen ist und der der Kenianer
gleicht. Es geht das meiste hier gemach zu, außer es fängt an zu regnen, das
ist dann einer der seltenen Momente, wo Kenianer Laufbeine unterm Arsch haben
und rennen.
Der Blick aus unserem Büro
Und so in der Regenzeit, mords die Sauerei
Und Knigge würde hier auch den Vollausraster kriegen: Wenn man
unten an einer Treppe steht und rauf will und es kommt gleichzeitig jemand
runter, dann wartet man hier nicht, egal wie eng die Stufen auch sein mögen und
absolut völlig egal, wieviel Zeit einem zur Verfügung steht. Das Gleiche auf
der Straße und den Märkten. Obwohl hier absolut niemand in Eile zu sein
scheint, presst man sich trotzdem durch. Am Anfang war das ein bisschen fremd
für mich, aber auch da verhalte ich mich seit längerem einwohnerisch, frei nach
dem Motto „Frechheit siegt“.
Kenianer reden bedächtig, vor allem die Frauen reden oft so
leise und werden während des Satzes noch leiser und wenn sie dann noch so einen
Afro-englischen Slang haben und beispielsweise bei „are you hurt?“ das hurt mit
einem a aussprechen, versteht man manchmal gar nix mehr, „ne, ich bin nicht
Herz!?!“
Vielleicht bin ich in diesem Beitrag ein bisschen zu
defizitorientiert, aber eins muss ich noch loswerden. Am meisten ärgert mich
halt hier die Unnachhaltigkeit. Die benutzen einfach Plastiktüten für alles und
immer, wenn man im Supermarkt eine Flasche Wasser kauft, gibt´s die Tüte
obendrauf. Und wenn man sagt, man brauche keine, dann glauben sich die
Einpacker erstmal verhört zu haben und
dann scheinen sie mir manchmal sogar ein bisschen enttäuscht, das ist echt
verrückt! Die ganzen Tüten werden selbstverständlich nicht recyclet, tragen
aber dafür primär zum Stadtbild bei…
Eloquente Müllbeseitigungsanlage
Jetzt hört es hier zu meinem großen Bedauern auf mit der
Mango-Zeit. Man findet nur noch ganz große und unreife, und jedes Mal wenn ich
frohen Mutes eine weitere probiere, muss ich zunehmend feststellen, dass sie
nun eher eine Konsistenz wie Möhren haben und neutral bis bitter schmecken. Ade
du schöne, süße Mangozeit…
Und das ist mein Chapati-Man, ist eigentlich wie
Pfannkuchen, simpel und beliebt, und die Chapati auch J Ansonsten gibt´s hier Ugali
(Wasser-Maismehl-Mischung) und Porrage, ein Hirsebrei, den die meisten der
anderen deutschen Praktikanten in den bösesten Tönen verpöhnen, aber ich mag
das.
Hier ist es immer Tag so zwischen 6 Uhr morgens und 7 Uhr
abends, ab und zu gibt´s Stromausfall.
Am Wochenende waren wir im Giraffen Center, einem Park mit
sehr harmonisch angenehmer Atmosphäre wo man Giraffen, wie hier auch mit dem
Mund, füttern und streicheln darf.
In Nairobi-City, wo ich ab und zu mal nur hinkomme und wo am
Sonntag mein Handy verloren ging bzw. gestohlen wurde. Mein Hauptziel, nix zu
verlieren während dem Aufenthalt hab ich also verömmelt.
Und so sieht´s in meiner Hood aus, nahe meiner Herberge

