Ich gehe aus der Haustuere, wahlweise mit anderen Volontaeren, strecke meinen Arm aus und wenn dann zufaellig ein Bus vorbeifaehrt und anhaelt, steige ich ein.
Hier ist der Minibus der Nummer 388, der von unserem Haus bis zu unserer Arbeitstelle in etwa einer halben Stunde faehrt, je nach Staulage kann´s auch mal ´ne knappe Stunde dauern. Die Busse haben keinen Zeitplan, mal hat man Pech und man muss ziemlich lange warten.
Die Busfahrer darin geben gerne ihre Lebensweisheiten auf Aufklebern preis, die sie im ganzen Bus verteilen. Da ist zum Beispiel: "Fordern Sie nicht Geschwindigkeit, fordern Sie Sicherheit", oder "Besser eine Minute im Leben verlieren als das Leben in einer Minute", oder auch schoen "Nicht spucken!".
Und so sieht der Spass dann von innen aus mit vielen lustigen Volontaeren.
Danach angekommen im casa de paso, dem Jungenheim, wo sich viele Bueros der Projekte befinden, muss man sich einschreiben mit Uhrzeit.
Der Don Norberto arbeitet schon ab 7:00 morgens und haelt fuer uns auch immer die Post bereit, die wir auf die Postfachnummer der fundación, schicken lassen und die dank dem super bolivianischen Post-Mega-Service auch mal gute zwei Monate fuer sich beanspruchen kann und mehr.
Hier sieht man die Ana-Evelin und die Carmiña, zwei unserer drei Chefinnen.
Montags gibt es dann immer eine woechentliche Besprechung, ueber problematische Sparer, die ihre Kompromisse nicht realisieren und sonstige Probleme oder Angelegenheiten. Danach gehe ich dann raus auf die Strasse, um bei meinen Sparern ihr Geld einzunehmen.
Mir gefaellt die Arbeit sehr, weil man viel draussen ist und in La Paz findet das Leben eben draussen statt! Somit bin ich auch unter dem staendigen Risiko, Sachen einzukaufen, wie zum Beispiel dem chinesischen Teller (der Plastikteller, den man auf nem Holzstab zum drehen bringt und huepfen lassen kann), welcher inzwischen in Mode ist, das gute alte Jojo ist out...
Und hier ist sie, das Lieblingsbrunching aller Bolivianer: Die salteña!!! Man muss jedoch aufpassen, wo man isst, an so einem Staendchen auf der Strasse kann man durch Zu- auch mal Durchfall bekommen! Es gibt Salteñas in allen vorstellbaren verschiedenen Formen: Es gibt Salteña fritiert, es gibt Salteña gebacken, es gibt Salteña scharf, Salteña mittelscharf, Salteña mild, Salteña mit Huehnchen, Salteña mit Huehnchen und mit scharf, mit Rind, gemischt...es gibt Salteña vegetarianisch, Salteña mit Ei, Salteña ohne Ei... Aber wie gesagt, man muss aufpassen, an diesem Stand hier habe ich zum Beispiel enmal gegessen und ich wuerde es nie wieder tun. Da kann(s) schon mal scheisse laufen.
Und das ist die Sicht in der Stadt auf den Stadtpatron Illimani, den seh ich immer, wenn ich durch die Strassen ziehe!
Hier geht´s dann zum Sparen, dieser Kollege heisst Jesús (ja, wirklich), Spitzname Erloeser (Nein, das ist jetzt ein Witz)! Ja, so sehen hier die Schuhputzer aus, anfangs hatte ich da auch erhebliche Schwierigkeiten, die alle kennenzulernen und beim Namen zu nennen! Aber laeuft super jetzt und weil die immer so lustig drauf sind macht das auch so viel Spass, mit denen zu plaudern und lachen und natuerlich auch sparen (meistens so 5 - 10 Bolivianos).
Die polyphone Melodie eines Stueckes vonTschaikowski ertoent: Meine Chefin ruft mich an, wir haben Dienst im comedor, dem Essensraum und muessen da Essen ausgeben.
Im comedor wird Suppe (manchmal mit Hennenfuss), Hauptgericht und Nachtisch ausschliesslich mit einem Loeffel gegessen! Da hier nicht nur die Jungs vom Jungenheim essen, sondern auch von anderen Projekten, worunter auch Drogenabhaengige sind, gibt es weder Messer noch Gabel, damit die da nix mitnehmen und zu ungehoerigen Zwecken verwenden!
Nach dem Essen gehe ich um die 2 Uhr wieder raus auf die Strasse und gehe dieses Mal zu den Strassenverkaeuferinnen. Zwischen 2 und 3 Uhr sieht man in den ganzen kleinen Fernsehern auf der Strasse die hierseits sehr beliebte Telenovela aus Peru.
So ziehe ich also los, staendig auf der Suche nach motivierten Sparern, oft heisst es bei manchen immer "mañana", und obwohl sie schon ein paar Moneten foil haetten, wuerden sie lieber am naechsten Tag sparen. Aber die meisten machen es schon mit Frohsinn.
Das ist die gutmuetige Nati, die an ihrem Staendchen ihren Orangensaft verkauft und mir immer wieder einige saftige Orangen schenkt.
Bei den Sparern bin ich der jóven Benjamín, wobei das j wie ch ausgesprochen wird. Oder der gute Damaso nennt mich auch hermanito. Die sind schon sehr herzlich alle!
Bis 5 Uhr arbeite ich dann und gehe zurueck ins Buero, wo ich noch kurz das Geld zaehle und dann heimwaerts gehe!
Das ist der Fidel, ein Schuhputzer mit dem ich spare, da waren alle ganz schick, weil das war das 20 jaehrige Jubilaeum der Schuhputzer-Assoziation Alpeve (so heisst die, es gibt einige Schuhputzervereinigungen in La Paz, die zum Beispiel auch mal in Fussballturnieren gegeneinander spielen)!
Und das ist nochmal meine Chefin Ana, ihr Mann Viktor und ihr Butzerle Alejandro, bei seiner Taufe, zu der wir eingeladen wurden. Die sind mir auch alle so an´s Herz gewachsen...
Zurueck zu meinem Tag. Nach Feierabend geht´s heim in das Viertel Alto Obrajes.
Unsere Mietzi! Mit einigen freundlich-nervigen Miaus begruesst sie jede Sau!
Und wer glaubt, nach der Arbeit und viel Spanisch kann ich in meiner Sprache reden, der taeuscht sich. Im Volontaershaus wohne ich mit Koelnern, anderen Nordlichtern und Englaendern zusammen, also mit schwaebisch geht da nix... Hochdeutsch zu lernen war nicht sehr leicht, aber anders haetten mich die anderen nie verstanden!
Daheim heisst´s dann Waesche machen, was kochen (danke, dass es dich gibt, Spiegelei!) und mit den anderen Volontaeren plaudern oder ausgehen.
Und wenn´s mir sonst mal langweilig ist, treffe ich mich mit dem La Paz´schen Buergermeister Revilla und geh mit dem auf d´ Gass!
Das ist mehr oder weniger mein Tag gewesen, hat mir echt immer sehr gefallen. Aber fuer mich hat hier in Bolivien nun schon die letzte Woche angeschlagen, weswegen das hier auch mein letzter Blogeintrag gewesen sein wird. Hierfuer danke an die Leser und die lieben Rueckmeldungen!
Mein Jahr hier in Bolivien war wunderschoen und ich bin von Herzen dankbar, dass ich es erleben durfte: An den Herrgott, an meine Familie, an Herrn Funke, an die fundación arco iris, den padre, meiner Chefin Ana, den anderen Volontaeren und allen, die es fuer mich von Nah und Fern hier so schoen gestaltet haben! Und obwohl ich mich riesig freue auf zu Hause und auf Euch alle, bin ich sehr traurig, Abschied nehmen zu muessen.
EIN HERZLICHES DANKESCHOEN UND AUF WIEDERSEHEN!!!
Kein "Adiós", sondern ein "hasta luego"!
Benny en Bolivia
Hey Bennj,
AntwortenLöschenwie jeden Tag schaute ich heute in deinen Blog. Habe mich natürlich sofort riesig gefreut als ich einen neuen Eintrag bemerkte. Deine Art zu schreiben ist echt der Hammer. Humorvoll lustig und doch überaus emotional. Ich werde deine Einträge vermissen, freu mich aber riesig dich bald wieder zu sehen. Ich denke nach diesem Eintrag kann jeder gut verstehen, warum dir der Abschied nicht leicht fallen kann/wird. Aber: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man kriegt. Lass dich einfach mit Freude überraschen, was dir dein Leben sonst noch bieten wird! Ich bin mir sicher, das dies nicht deine letzten Abenteuer gewesen sind und wer weiß, vielleicht nimmst du mich ja mal mit. Zum Schluss noch ein kkleiner Tip: Du könntest doch in Deutschland deinen Blogeintrag fortführen (für deine Freunde aus Bolivien).
Lieber Bennj, vielen Dank das Du uns auf dieser Weise an einem Teil deiner Erfahrungen anteil nehmen ließt. Genieße deine letzten Tage besonders. Wir freuen uns auf dich.
Dein Bruder Manu
Hey Benny
AntwortenLöschenAbschiednehmen müssen- von deinen Blogeintragungen
Das werde ich auch vermissen.
Dieser letzte Blog von und über dich und deine
Arbeit,hast du wieder so "amüsant ,aufgelockert
und lustig vorgestellt, dass mancher sicherlich
nachempfinden kann,wie schwer dir der Abschied
fällt!
Eine chinesische Weisheit:
Begleite einen Freund tausend Meilen weit,
einmal mußt du Abschied nehmen.
Dazu wünsche ich dir und deinen Freunden die
nötige Kraft und Stärke.
...und wir warten und freuen uns rieeeeeßig
auf dich, Benny
deine Mama
Ca. 5 mal am Tag, 360 Tage lang. Das macht 1.800. So oft habe ich ungefähr auf deinen Blog geschaut und immer gehofft, dass ein neuer Eintrag da ist.
AntwortenLöschenIch habe deine Einträge alle mehrmals gelesen und immer wenn ein neuer Eintrag da war, hab ich mich immer riesig gefreut und war immer sehr gut drauf, nachdem ich sie gelesen habe.
Benny, vielen Dank für deine Einträge. Dass du uns an deinen Erfahrungen und deinem Leben in Bolivien teil haben hast lassen.
Ich werde deine Einträge wirklich vermissen, aber freue mich echt, dich bald wieder zu sehen.
Dein Bruder Thomas