Montag, 15. März 2010

Feliz Carnaval 2010















Ein naerrisches "Horig" aus La Paz hier! Etwas verspaetet, aber doch will ich vom hiessigen Karneval berichten! Am Fasnetsfreitag gab es von der fundación aus eine grosse Karnevalsfeier mit buntem Treiben auf der Strasse und danach im Lokal. Es war so, dass wieder jedes Projekt sich was ausdenken musste, Tanz oder sonstiges. Und auch da gab es dann einen Wettbewerb, den wir dann auch gewinnen sollten!














Das waren wir, verkleidet als sogenannte Cholitas. So nennen sich hier in Bolivien die weiblichen Einwohner, die sich solche Haare flechten, diese Roecke tragen und von der indigenen Kultur sind (sprechen auch alle noch eine andere Sprache aymará). Ihr Schoenheitsideal ist normalerweise in dicker Erscheinung, weil es heisst, die seien besonders fruchtbar. Cholitas verkaufen auf der Strasse und mit ihnen sparen wir auch, daher war es fuer uns ziemlich einfach, an solche Klamotten zu kommen fuer David, Jonathan und mich (v.r.n.l.)














Hier nochmal in lasziverer Pose...

Mit unseren Chefinnen, die sich als Maenner verkleidet haben, haben wir dann einen lustigen Traditionstanz aufgefuehrt, bei dem erst der Mann die Frau anmacht und die von ihm flieht und danach umgekehrt. Andere haben den Madagaskar-Tanz gemacht und wieder andere Rocky. Wir haben dann zwei Kasten Bier gewonnen und am naechsten Tag ging es dann frueh morgens nach Oruro (fast nicht aus dem Bett gekommen), wo der wohl beste Karneval in Bolivien stattfindet.















In Oruro tanzen sie dann fuer die Jungfrau Maria, wodurch es auch dann mehr mit Tradition zu tun hat. Das haelt die Jugend aber auch nicht vom Trinken ab, und vor allem Wasserbomben sind hier ein sehr beliebter Brauch, bis zur bitteren Erkaeltung! Die Kostueme bestehen aus Baeren, Teufeln, Engeln und TaenzerInnen. Der Umzug ging den ganzen Tag und am Ende waren wir dann auch ganz schoen erschoepft.

Rosenmontag und Fasnetsdienstag, wie man in Deutschland so lieblich sagt, gab es dann das sogenannte cha´lla. Hierbei wird Heim, Hof, Arbeitsplatz, bis hin zu den Haustieren alles was einem lieb und wichtig ist mit Alkohol und Konfetti eingeweiht und gesegnet. Ein sehr schoener Brauch, wie ich finde, bei dem natuerlich auch, wie bei so vielen bolivianischen Anlaessen, das Bier in rauhen Massen fliesst. So sah man auf den Strassen viele, viele betrunkene Cholitas, die die Arbeit einfach mal Arbeit sein liessen!


Ja, man kann schon sagen, dass der Alkohol hier nicht unerheblich zum Leben beitraegt. Vor zwei Wochen erst gab es Streiks. Von der Regierung wurde gefordert, dass die Busfahrer nicht mehr betrunken fahren duerfen. Das wurde von denen aber nicht so hingenommen, da gab es erst mal schoene freie Strassen (und fuer uns zwecks grosser Distanz zum Arbeitsplatz einen Tag frei :) ) und viele frustrierte Fussgaenger. Allerdings haben die Fahrer nichts wirklich erreicht und werden es daher wohl mal wieder versuchen.


Das letzte Mal habe ich noch von dem Ausflug nach Cochabamba mit den Maedels angefangen, hier also, ein schoener, aber nicht gerade entspannter Ausflug:

Wir kamen eines schoenen Abends an und uns wurde nicht so richtig gesagt, wo wir schlafen wuerden, so sind wir erst ein bisschen durch die Stadt gezogen um schliesslich an unsere "Herberge" zu kommen.
















Die schoene Aussicht von unserem Schlafplatz - dem Stadium... Ich dachte erst, wir wuerden alle auf dem Fussballrasen schlafen, weil wir so viele waren, es gab dann aber noch einen riessigen Schlafraum fuer alle im Gebaeude drin.















Auf einer der langen Busfahrten zu den Ausfluegen.



















Als Mittagssnack gab es fuer die MAEDAELS eine Banane, schoen, dass wir keine gehoerigen Schwierigkeiten hatten, die Schalen zu entsorgen. Da kam der gute Esel naemlich wie gerufen, nur mir tat er Leid, er hat bestimmt bis heute keinen festen Stuhl mehr gesehen.



















Highlight fuer die Maedschen, das wir am letzten Tag auch noch mal wiederholen mussten, das kuehle H2O!

Auch gingen wir an einen Ort, der der Jungfrau Maria (die virgencita wird hier oft vorgehoben und ihr wird auch dann immer viel geopfert) gewidmet war. Die ganzen Leute, die da hinkommen, kaufen draussen Spielgeld, das sie ihr opfern.
















Diese zwei waren darueber ganz froh und haben sich gleich rangemacht!



















Die glueckliche Valería zeigt ihren stolzen Fund. Sie ist die juengste vom Heim und ist auch schon sehr suess. Wenn sie mich ansprach sagte sie immer tio.

















Am naechsten Tag sind wir dann nochmal zur Christusstatue hochgelaufen.



















Ein Bild auf dem Weg herab. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ich glaube, die Maedchen haben um die 1300 Stufen gezaehlt. Wenn du da erst mal unten ankommst, da zittern dir die Knie dann aber wie Wackelpudding beim Hundert-Meter-Sprint!!














Und so wurde immer das Essen serviert, ein jedes hatte seinen Teller und Loeffel dabei, mit dem sich dann Essen abholen liess. Roger und ich leider nicht, uns wurde das nicht gesagt, aber die Maedels waren immer sehr nett und haben uns die ihrigen geliehen.


Anfang Maerz gings ab zum Volontaersausflug. Wenn man von La Paz so ueber die Anden blickt, dann erkennt man eine zackige Erhebung Richtung Sueden, diese wird muela del diablo, Zahn des Teufels genannt, zu dem sind wir hin.


















Hier sieht man ihn von nahem, kurz vor der Besteigung.


















Und hier sieht man die gefuerchteten Kollegen, die man schon im Kindergarten mit schrecklichen Beispielbildern kennenlernt: Karius und Baktus. Diese hier hoeren aber auch auf die Namen Marcia und Jonathan.














Blick ueber das herrliche und einmalige La Paz. Das war dann auch das Letzte, was das Gipfelbier gesehen hatte.















Das war beim Abstieg, sozusagen die bolivianische Alm. Mit vielen lustigen Tieren.



















Hier bin ich mit einem solchigen. Weil ich als Kind Ein Schweinchen namens Babe gesehen habe, dachte ich, ich beherrsche seine Sprache und habe es mit einer Anreihe melodischer OINKS angeredet. Sprach leider Dialekt...

Jo, soweit von mir, ueber meinen Blog soll ich auch noch alle Leser von meinen Besuchern, Gotti und Wolfram gruessen, die nun auch bolivianische Regenschirme schaetzen, weil diese sie begleitet und beschuetzt haben auf der ganzen Reise (bis sie geklaut wurden).

Samstag, 6. Februar 2010

Und taeglich gruesst die Regenzeit

Hui, war gerade schoen gemuetlich auf der Strasse unterwegs und zack - Wasserlaeufer! Der Regen kam urploetzlich und die Strassen sind vom einen Moment zum anderen ueberflutet. Mein linker Fuss, der im Gegensatz zum rechten wenigstens mit einem lochfreien Schuh gesegnet ist, blieb dabei aber nicht mal eine Fissematente weniger nass als sein eingeweichtes Gegenueber!!
Ich weiss, es wird wieder mal Zeit, mich von hier zu melden!

Erstmal noch Danke fuer die Weihnachts- und Neujahrswuensche von Euch, hat mich alles sehr gefreut!

Wo wir schon dabei sind, fange ich doch da mal an mit Weihnachten.

Ich war ja, wie ich letztes mal zu erfahren gemacht habe, im Maedchenheim der fundación. Einen Tag vor Weihnachten gab es erstmal da ein Weihnachtsfest, und zwar gemeinsam mit den Jungenheimen. Jedes Heim musst eine Vorstellung, ein Theater oder ein Lied vortragen.



















Dieses Bild wurde leider ein bisschen dunkel... Man sieht hier in einen baertigen Jungen, der meiner Erinnerung nach Josef gespielt hat!















Volontaersfoto mit lieben kleinen Maedchen (die zweite von links war eine Besucherin aus England). Es war wirklich ein nettes Fest und am Ende kam was ganz Grosses fuer die Kinder: Der Coca-Cola-Nikolaus mit ganz vielen Helferlein, die fuer die Kinder eine Cola ausgeschenkt haben. War wirklich cool.

Am Tage des Heiligen Abends mussten wir erstmal arbeiten. Wir haben einen kleinen Ausflug ins Zentrum an den Prado mit den Maedle gemacht und waren da ein bisschen spazieren.
















In der Vorweihnachtszeit haben die Bettler das grosse "ding ding ding ding" gerochen. Ist ja alles schoen und gut, aber wenn die dann wie hier ihre kleinen Kinder als Mittel zur Geldeintreibung behandeln, so finde ich das nicht mehr so schoen, geschweige denn gut! Man hat auch sehr haeufig Kinder in bunten Einheimischen-Trachten mit obig abgebildeter Mini-Gitarre, genannt Charango, gesehen, die dann auch immer sehr aufdringlich zu Weisshaeutigen sind...














Wir kamen an der plaza Murillo vorbei, wo die Tauben das Viertel regieren. Auf Taubenjagd waren die Maedels vom Heim die wahren Kappos, aber auch wir haben es nicht unversucht gelassen und dem Christian hier ist es auch ganz gut gelungen nach einiger Zeit. Krankheitserreger sind selbigem fremd, gleich darauf hat er einen Fingersnack gekauft und zu sich genommen. Bei mir ging der Taubenfang aehnlich schief wie die Kaktus-Odyssee, ich habe eine nur am Schwanz erwischt, war der aber egal, die ist weitergeflogen und ich hatte nur noch ihre Federn in der Hand, schien sie aber gluecklicherweise nicht zu kuemmern!
Nach der Arbeit ging es dann nach Hause, wo schon auch alles vorbereitet wurde. Dekorieren, kochen und in einigen wenigen Faellen, wie meinem, noch Geschenke einpacken... Dann, etwa um halb 9 gings los. Das Essen stellten zwei grosse Huehnchen dar, war auch sehr lecker (laesst darauf schliessen, dass ich nicht so viel in der Kueche beigetragen habe)!
















Hier sieht man die Abendtafel, in der man auch ganz legere einen Bademantel tragen durfte.

Nach dem Essen haben wir dann Platz gemacht und eine gemuetliche Runde geschaffen. Da wurden dann einige nette Weihnachtslieder gesungen, simultan auf deutsch und auf englisch, und da die Anna die ganzen deutschen Texte ausgedruckt hatte, haben wir die Englaender dann auch immer ab der zweiten Strophe in den Schatten gestellt ;)


Danach wurde dann gewichtelt, was ich auch sehr schoen fand. Eben jene Anna hat mich gezogen und von ihr habe ich dann ein Fussball-Trikot von einem La-Pazzer-Verein bekommen und ein Erdinger-Weissbier, juhuu!



















Auch der gute alte Tannenbaum hat sich nicht lumpen lassen und den Geschenken Obhut geboten. (Die weisse Tuete war meine, juhuu). Auch mir selber habe ich eine Freude gemacht. Einen Second-Hand-Pullover habe ich mir fuer 14 Bolivianos gekauft, eingepackt und mit gespielter Freude empfangen! Man goennt sich ja sonst nichts.
Ja, das war dann so der Weihnachtsabend, am naechsten Tag hatten wir frei und wurden vom padre besucht.


Zu Silvester kann ich leider nicht ganz so viel erzaehlen, nicht wegen Filmriss, sondern weil ich es am Magen hatte und nicht so lange konnte. Wir haben gemuetlich was getrunken und um 12 sind wir dann raus zum Schiessen. Man kann sagen, die bolivianischen Raketen sind nicht so der Knaller (wenn sie wenigstens das gewesen waeren...), nein die gingen in die Luft und das war´s dann fast schon. Und so beim Blick ueber La Paz war da jetzt auch nichts wirklich Beeindruckendes. Was hier gemacht wird, wir aber nicht gesehen haben, ist, dass manche Leute beim Jahresuergang mit dem Koffer Treppen auf und ab steigen in der Hoffnung, dass sie im Jahr viel reisen. Oder auch dass sie das Geld, dass sie dabei haben, schnell zaehlen, damit sie mit guten Finanzen gepriesen werden. Wir haben allerdings auch einen bolivianischen Brauch unser gemacht und zwoelf Trauben - jede fuer einen Wunsch pro folgende Monate stehend - verputzt.

Und danach ging´s fuer mich nicht mehr lange weiter, um halb 2 war mein Zapfenstreich.

Sonst die restliche Zeit im Maedchenheim haben wir kleinere Ausfluege unternommen:















Hier waren wir im Kino. Felix the cat hat uns gezeigt, wie er nicht nur den Weihnachtsmann, sondern sogar gleich ganz Weihnachten gerettet hat. Wow, ich war wirklich beeindruckt, auch wenn ich es nicht immer ganz realistisch fand.

Einen fuenf-Tages-Ausflug gab es sogar auch, und zwar nach Cochabamba (wo ich schon mal als Super-Touri war) die Bilder muss ich aber erst noch hochladen, die kommen dann das naechste Mal!!

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Weihnachtliche Gruesse

So, liebe Sportsfreunde, der Volleyball-Wettbewerb hat ein Ende gefunden und ich muss sagen, erstklassig!! Wir hatten aber auch viel Glueck, sowohl Halbfinale als auch Finale haben wir den ersten Satz verloren und den zweiten gewonnen. Beim dritten dann jeweils, glaube ich, 15 zu 13 gewonnen.














Der froehliche Benjamin mit dem Pokal, beide sollten dann von innen auch nicht lange trocken bleiben!














Das sind wir vom Projekt trabajadores, stolze neue Erste. Darueberhinaus neue Besitzer von Thermoskannen!

Mein Chef, der Zenon, der hat ´ne Frau. Und auch die arbeitet mit armen Leuten und zwar mit Frauen aus El Alto, also die Hochebene, wo "Armut reichlich" vorhanden ist. Mit denen macht sie Handwerkskunst und im Dezember haben die ein Geschaeft in der Touri-Einkaufs-Zone eingeweiht und eroeffnet.














Erst alles nicht soooo beeindruckend. Das Highlight war dann auch eine schoene Power-Point-Praesentation, die aufgrund von Platzmangel an der Decke stattfinden musste. Leider kein gutes Bild geworden zwecks blitzfrei. Ein Fotograf muss eben diskret arbeiten. Viele Kleider und Taschen wurden praesentiert, aber wie es eben so ist: Das Schoenste zum Schluss - die Haeppchen, hehehe.

Vor drei Wochen habe ich hier dann auch das erste Mal einen Friseur von drinnen gesehen. Eine bolivianische Dienstleistung von 1 Oiro 20. Und ich muss sagen, dem Preis entsprechend ok, also ich bin zumindest mal nicht nach Hause gegangen und habe mich in meinem Zimmer eingeschlossen um zu weinen... Mir wurde aber gesagt, in der "Friseur-Meile" machen sie´s fuer 70 Euro-Cent, da seien sie aber auch alle vom anderen Ufer. Jeweils ein gutes Argument fuer pro und contra, da mal hinzugehen!


Zum Jahres- und Projektabschluss habe ich nicht nur fast all den Schuhputzern und Verkaeuferinnen meines Projektes ihr Geld zurueckgegeben, sondern mit einigen, die zu Anfang des Jahres einen Zielsparplan entworfen haben, ging ich dann auch eben diese Ziele verwirklichen, indem ich meine Sparerinnen zum Einkauf begleitete.


















Hier sehen wir die Sofía, Mutter von zwei Kindern und jetzt auch einem Gasherd.














Und hier die María Luisa, die man nie ohne ein paar Koka-Blaetter zwischen ihren Backen sieht, darum swaetzt si auck imma ain bisse undeudlick... Sie war bei der ersten Verabredung eine dem bolivianischen Brauch angepassten Stunde zu spaet (da war ich schon weg) und bei der zweiten und dritten tauchte sie gar nicht erst auf. Irgendwann hat´s dann aber doch geklappt und zum froehlichen Abschluss gab´s noch ne kleine Coca-Cola.
Zu den zwei angesprochenen Cocas:
1.Das Koka-Blatt wird hier nicht als Droge definiert. Die Blaetter werden in den Mund gesteckt, um sich da eine Zeitlang anzufeuchten um beim Kauen nicht zu zerbrechen. Wenn sie gut feucht sind (habe gelesen, das kann bis zu einer dreiviertel Stunde dauern, fuer mich tut´s da auch ne halbe Minute), kaut man drauf los. Man befindet sich jetzt dann auch nicht gerade im Delirium, spuert kurz aber schon ein bisschen was.
2.Die kleine Cola-Flasche gibt´s fuer einen Boliviano, sehr beliebt, mit Pepsi dicht auf den Fersen!

Am 6. Dezember kam nicht nur der Nikolaus (jeder Volontaer hat jedem anderen was in seinen Stiefel gestellt), sondern auch der Evo! Damit meine ich den seit 2005 ersten indigenen Staatspraesidenten von ganz Suedamerika , er nennt sich Evo Morales (hier verstaendigt man sich nur mit den Vornamen von Politikern) und hat am 6.12. seine zweite Amtsperiode fuer Boliviens Staatsfuehrung gewonnen. Da hatte auch der gute Manfred, einer seiner Mitkandidaten, keine Chance!! Eine Mehrheit von 62%. Jetzt wird hier allerdings auch befuerchtet, dass sich da so was wie die Geschichte Kubas, also Sozialismus, anbahnen koennte, weil er sich eben so stark fuer die arme, einheimische Bevoelkerung einsetzt.



Es gab, wie Ihr Euch vielleicht erinnert, schon eine grosse Kirmes von der fundación. Und Bayern verhaelt sich zum Saarland, wie gross zu - naaaa? - genau: klein!!
Eine kleine Kirmes also, von den Muettern und Betreuerinnen des arco-iris-Kindergartens organisiert. Da gab´s alles in klein, sogar die Gerichte wurden nur als Kinderportionen angebietet.














Die kleinen haben sich als Erwachsene verkleidet und lustig getanzt.


Das letzte Mal habe ich von dem Ausflug in´s Blaue, aehh, Gruene berichtet, nach Jupapina. Das haben wir wiederholt, dieses Mal jedoch mit anderen Sparern. Es gab nicht viel Neues. Wieder das Picknick und schoene Spiele. Doch dann hat der Super-Papparazzi B.S., der hier lieber anonym bleiben moechte, das Skandalfoto der Volontaere geschossen:


















Jonathan und David: Dreamteam in einer Spielvariante von "der Fuchs geht um", oder tatsaechlich neues Traumpaar, das auch schon oefters auf der Friseur-Meile gesichtet worden sein soll ;) Man weiss es nicht. Nein, quatsch, das war da natuerlich spielregelbedingt, dass man sich einen Partner an die Hand nimmt und dann, wie bei ¨Der Fuchs geht um¨ um den Kreis rennt, nur eben zu zweit.

Kurz vor Abfahrt jedenfalls kam der Jonathan mit einer Kaktusfeige in der Hand und hat die gegessen. Ich war mega-beeindruckt und erwachsen wie ich bin, wollte ich das natuerlich nicht unversucht lassen. Er rief noch nach "Vorsicht Stachel!" und ich dachte nur: Yeah yeah, whatever. Mein Versuch, sie zu schaelen war mal wieder ein Schuss in den OOOoooofeeen, dann kam meine Chefin die Ana daher und meinte: "Lass das jemanden machen, der das kann". Waehrend sie zu schaelen versuchte, hatte ich was im Auge und habe mich gerieben. Einige Sekunden spaeter fiel der Ana die Feige auf den Boden und ich hatte wohl einen Stachel im Auge. Keine Gluecksmomente meinerseits, sag ich mal!
Waehrend der Rueckfahrt habe ich dann ununterbrochen in meinem Auge rumgepopelt, aber nichts schien rauszugehen. Es hat anfangs auch nicht wirklich geschmerzt. Als ich dann zum Augenarzt ging und der mit seiner Maschine reinleuchtete, meinte er, da sei auch nix drin. Im Endeffekt war´s dann eine Entzuendung, die sich Gott sei Dank mit Augentropfen entfernen liess. Am Augapfel ist wieder alles rundum gesund. Man muss halt aufpassen wie die Haftelmacher!
Seit meiner Kindheit dachte ich wegen dem Kaktus-Eis, der Kaktus sei mein Freund - so kann man sich taeuschen.
Zwar ging´s meinem rechten Aeuglein wieder gut, doch gleich darauf meldete sich mein Weissheitszahn aus seinem hinteren linken Eck, aber lassen wir das...


Seit dieser Woche habe ich meinen Arbeitsplatz wechseln muessen, den ich bis Ende Januar dann belegen werde. Dieser befindet sich im Maedchenheim "Niñas Obrajes". Urspruenglich wollte ich in´s Casa Esperanza, dem Jungenheim, das schon bei den Kennenlerntagen als Favorit in´s Rennen ging. Ueber die Weihnachtsferien, wo viele der Angestellten Urlaub haben und auch die auf der Strasse agierenden Projekte nicht stattfinden, durften insgesamt vier Volontaere in das Jungenheim gehen, es wollten aber fuenf. Wenn Adam Rieses Theorie der Mathematik wirklich der Wahrheit entspricht, war das also einer zu viel. Wir haben schliesslich ausgelost und die Lottofee war mir nicht hold. Im Endeffekt vielleicht aber doch, denn es gefaellt mir bis jetzt wirklich gut mit den Maedels. Die Mehrheit ist liebenswuerdig und aufgeschlossen.

Ja, soweit mal von mir. Euch Lieben zu Hause wuensche ich wunderschoene und besinnliche Weihnachten und geruhsame Feiertage und wenn ich schon dabei bin auch noch einen guten Rutsch in´s Jahr 2010!!!
Fragt mich nicht nach Vorsaetzen, die werden eh nicht eingehalten!
Von Weihnachten berichte ich dann natuerlich!
Bleibt allesamt gesund!!!

Benny

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Novembertage

So, es wird wieder einmal Zeit, was von mir hoeren zu lassen, denn ich weiss, ich mach das nicht so haeufig!

Das letzte Mal habe ich ja von dem Friedhofsbesuch an Allerheiligen berichtet - hier kommen mal ein paar Bilder!




















War echt krass ueberfuellt der Friedhof, sieht man hier auf dem Bild vielleicht nicht ganz so gut, aber man musste sich schon durchdraengen! An den Waenden, die man hier sieht, werden die Saerge eingeschoben. So Graeber, wie man sie in Deutschland kennt, gibt es auf diesem Friedhof nicht, nur auf dem fuer Reiche.























Hier sieht man mich nach meinem ersten Gebet mit meinem stolzen Gewinn, ich nannte es "Fury" und da wusste ich noch nicht, dass noch viele folgen sollten und ich mit einer vollen Tuete Brot und Kleingebaeck heimgehen wuerde. Als ehemaliger Ministrant war ich da quasi der King beim Beten.


Es gab im November auch ein projektinternes Fussballturnier mit Schuhputzern und Verkaeuferinnen. Auch wir Volontaere haben mitgemacht und wie am Anfang habe ich wieder mal alles gegeben ohne zu ahnen, dass ich noch nicht wirklich an Hochleistungen hier oben gewoehnt bin. Ich bin wieder mal schnell ziemlich ausgepowert gewesen und habe somit auch nicht unerheblich dazu beigetragen, dass wir alle Spiele verloren haben...
















Ruben in Aktion

Darueberhinaus findet derzeit ein allsamstaegliches Volleyballturnier statt, das wir schon seit vielen Wochen austragen und diesen Sonnabend (boho, was fuer eine Umschreibung!) finden Halbfinals und Finals statt und meine Gruppe ist qualifiziert, yeah. Das habe ich meinem ehemaligen Sportlehrer Herr Nitschke zu verdanken. Wo immer Sie jetzt auch sind und was Sie tun - danke!
















Ich hoffe, wir gewinnen, meine Chefs waren immer so enthusiastisch mit dem Trainieren, dass wir uns schon immer Ausreden vorher ausdenken mussten!

Aber nichtsdestotrotz, meine Chefs sind schon wirklich nett und herzlich. Man kann echt viel Spass mit ihnen haben.
















Hier zum Beispiel (von links nach rechts Zenon, Ana, Carmiña - die Chefs - Jonathan und David - die auch in dem Projekt sind) waren wir eines Nachmittages im Haus der Volontaere, denn nach viermonatigem Training, in dem es da nur dich, das Ei und die Pfanne gibt, habe ich eingeladen zum ultimativen Spiegelei-Contest! Die Bedingungen waren ein Ei und zwei weitere Elemente. Meine Wahl war hart, ich entschied mich fuer Kaese und Paprika - nicht ganz der Klassiker, aber auch nichts aussergewoehnliches. Das vom Zenon ist verbrannt und Carmiñas war jetzt nicht so der Renner, so dass David und ich den ersten Platz belegten. Preise gab´s leider nicht...



Jetzt zum Jahresende gibt es viele Aktionen und Geschenke fuer die ganzen Sparer. So haben wir eines Tages auch einen Ausflug nach Jupapina (etwa: dem Land der Ananas) ins Gruene gemacht, raus aus der Stadt!















Das sind die Verkaeuferinnen, mit ihren Roecken und Zoepfen Cholita genannt, beim Kicken. War echt lustig, wie die sich da auch immer ins Zeug reingelegt haben.
Es gab noch andere Gruppenspiele, war ganz schoen, der Ausflug!

























Viele hatten auch ihre Kinder mitgenommen, auf die wir dann aufgepasst haben. Eins von denen, dass ich auf dem Arm hatte, hat mich angefurzt, ein anderes hat nur geschrien; war trotzdem nett.



















Sehr beliebt hier ist auch das apthapi, das wir da auch gemacht haben: Ein Picknick, wo jeder eine Beilage mitbringt und sich jeder dann das auf den Teller schoepft, wonach ihm ist. Links im Bild sieht man auch den padre, der da auch da war und eine Messe abgehalten hat.


Der Volontaersausflug fand in Tiwanaku statt, einer alten Ruinenstadt oder so was. Wer mich kennt, weiss, dass ich auf solchen Fuehrungen ueber alte Sachen schnell und gerne die Konzentration verliere (wie im Geschichtsunterricht halt immer). Und wenn dann die Statuen nicht uebertrieben interessant sind, dann muss ich zugeben, dass ich nicht viel davon berichten kann (so wie jetzt, oder dementsprechend in den Geschichte-Klassenarbeiten).



















Wir hatten strahlend blauen Himmel!!! ...ach ja, eine der Statuen!























Das sind Christian und ich beim Verspotten der Statue.
















Lustige Gesichter aus Stein...




Dann gab es noch eine grosse Taufe innerhalb der fundación. Das waren glaube ich um die 80 Taeuflinge, alle vom padre und einem anderen Priester geweiht!
Das alles fand in der Kirche San Francisco statt. Schoene Feier muss man sagen.




























Viele Volontaere waren auch Taufpate von den Kinder in den Heimen und eine Volontaerin hat sich sogar selber taufen lassen:















Die Marcia wurde also vom padre getauft, mit Krissi und Jonathan als Paten und Joni, Ani, Clemens und ich und viele mehr als Papparazzi.


Jetzt muss ich auch leider schon wieder los - Volleyballtraining!

Sonntag, 1. November 2009

Bolivianische Gewohnheiten

Nun befinden wir uns schon im Monat November und ich habe nunmehr schon ueber ein Viertel meines Dienstes abgeleistet... Wir alle haben uns inzwischen schon ganz gut an bolivianische Sitten, Gebraeuche und die zahlreichen, gravierenden Unterschiede zu Deutschland gewoehnt!
Nur unsere europaeischen Maegen sind ihren Aufgaben hier noch nicht so richtig gewachsen, es gibt immer mindestens einen Volontaer, der oefter auf der Schuessel sitzt, als im Bus zur Arbeit. Beliebt hier ist das sogenannte Choripan (heisse Knoblauchwuerstchen in einem Broetchen, die erst ab 6 Bollis empfohlen werden, da die billigen zumeist mit Eselfleisch oder weiss Gott was vermischt werden). Als jakob, ein Volontaerskollege, ganz froh und stolz verkuendet hatte, er habe auf der Strasse einen Stand mit Choripan fuer 2 Bolivianos (Jakob + Choripan = Jacky Pan) gefunden , wusste er noch nicht, dass er es am darauffolgenden Tag bereuen sollte. Fieber und Durchfall suchten ihn heim als Resultat seiner Preis-Leistungs-verhaeltnismaessig guenstigen -im Endeffekt doch teuren- kulinarischen Expedition.

Die Trendmode hier in Bolivien ist auch definitiv anders als in Deutschland: Wenn man durch die Strassen laeuft, dann kommt man auf jeden Fall an Jugendlichen und auch Erwachsenen vorbei, die mit dem guten alten Yoyo ihre ganze Freude ausleben. Man moechte meinen, in Deutschland waeren solche Leute heutzutage out (sind sie meiner Meinung nach auch -.-), aber hier gibt es noch ganz andere Dinge, worueber so manch Deutscher lachen wuerde, wie Dragonball Z. Gut und gerne hoert man hier auch noch die deutsche Kultband "Modern Talking". Mein Chef ist da voll Fan von!

Wenn ich an mein Spanischbuch von damals denke, dann faellt mir auch auf, dass hier zu "E-Mail" niemand als Verniedlichungsform "Emilio" sagt, worueber ich auch schon ausgelacht wurde... Auch "así así" fuer "geht so" oder schlicht und einfach "geht" sagt hier keine Sau. Aber ist ja offensichtlich, dass es hier im suedamerikanisch gebraeuchlichen Castellano einige Unterschiede zum Spanischen gibt, bin jedoch ganz froh, dass in Bolivien ziemlich klar und deutlich gesprochen wird!

Zu den letzten Herumreisereien, die ich gemacht habe, kann ich nun auch einiges erzaehlen:
Vor ein paar Wochen war ich in Chulumani, das ist in den Yungas, also in der Humidzone. Da gibt es so viel Fruchtanbau, dass man zur Hochsaison 250 Orangen zum Spottpreis von drei Bolivianos kaufen kann, wie uns gesagt wurde! Acht Stueck auf einen Eurocent! Auch die riesige Kultur der Kokablaetter wurde uns vor Augen gefuehrt:














Hier werden sie getrocknet, die kaubaren Blaetter.

Es gab auch einen Touristenhof, den wir einen Tag besuchten mit Papageien, Schildkroeten und Hunden. Die Hunde sind so riesige Doggen, die uns dann den Weg zu einem Fluss fuehren sollten. Das haben sie auch dann getan, auf halbem Weg hatten sie aber ploetzlich keine Boecke mehr und liessen uns zurueck. Ein Grund, warum ich Katzenmensch bin...
Zuruck an dem Hof melkten wir dann noch eine Kuh im Stall.















Ein Stueck Heimat...

Auch die Heimfahrt war erlebnisreich kann man sagen. Mit dem Bus durch die Yungas ist ja schon ganz schoen. Wenn dann aber mittendrin das Benzin zur Neige geht, ist das dann erst mal nicht mehr so cool... Doch diesen Moment habe ich extra festgehalten!














Da stehst du dann und weisst erst mal nicht weiter. Sachen packen - Daumen raus, war dann die Devise! Und wir hatten Glueck, auf einem Picker durften wir uns hinten auf seine Ladeflaeche setzen und dann ging´s open air durch die Yungas. Das war mal viel cooler, als so ein wackliger Reisebus, der dich nicht mal einen von den 40 Bollis Fahrtgeld wieder sehen laesst. War echt schoene Rueckfahrt!!!

Der oktober´sche Ausflug der Volontaere fand im sieben-acht Stunden entfernten Cochabamba statt. Unter den Volontaeren habe ich mir dank meinem Lonely Planet Buch den Touristentitel unter uns geholt!















Das Buch fuehrte uns erstmal zum Fruchtsalat essen. Da sind der englische Roger, Joni und ich (von rechs nach links) zu sehen!
Cochabamba ist vor allem fuer seine Kueche beruehmt, das haben wir dann natuerlich auch ausgenutzt und waren oft essen (und wer konnte mit seinem Buechlein die guten Restaurants vorschlagen, na?)

Wir nahmen einen Spaziergang zu einem ausserhalb gelegenen Bad, das heisses Wasser versprach:


















Das ist die Stephi auf dem Weg




















Am naechsten Tag gingen wir dann nach Rio de Janeiro um vor seiner beruehmten Jesusstatue ein Touristenfoto zu schiessen! Quatsch, wir waren natuerlich nicht mal so auf Tagtrip in Brasilien. Diese Statue ist nur ein bolivianisches Plagiat aus dem Jahre 96, wenn ich es recht weiss (muss zugeben, ich interessiere mich nicht so fuer die Daten). Das klischeehaft vorbelastete Touri-Foto haben wir uns dennoch nicht nehmen lassen!
Ja, war auf jeden Fall cool in Cochabamba, da konnte man nachts wie im Urlaub mit kurzen Hosen raus, so schoen warm ist´s in La Paz leider nicht...

Zurueck in La Paz mussten wir dann feststellen, dass bei unserem Waschbecken Rohrbruch aufgetreten war. Weder Werner Beinhart noch Super Mario, die wohl beruehmtesten Klempner, waren nicht anwesend und so mussten wir warten, bis der arco iris Klempner kam.


















Hier(Beweisfoto) sieht man den betretenen Jakob, der nicht nur wegen Ueberflutung, sondern auch wegen der bevorstehen Wasserrechnung einen enttaeuschten Eindruck macht ;-)

Allerheiligen wird in Suedamerika anders gefeiert als in Deutschland.














Ein paar Tage vorher wird zunaechst einmal Brot gemacht, so wie das hier gerade Carmiña und Ana, zwei der Chefs in meinem Projekt, vorfuehren. War mal wieder ganz cool, so ein bisschen in der Baeckerei zu sein! Das Brot wird dann fuer den día de los muertos, den Tag der Toten(Allerseelen in Deutschland) benoetigt! Da ist die ganze Stadt auf dem Friedhof und ein jeder gedenkt seiner Verstorbenen, indem er vor dem Grab sitzt, betet und ihn damit wuerdigt, die Lieblingsspeisen des Toten mitzubringen. Vor allem ist es eben ein grosser Brauch, Brot mitzubringen. Als Aussenstehender, wie wir, wird man dann gefragt, ob man fuer die Angehoerigen ein Gebet zum Himmel schicken kann. Und wenn man dann einmal angefangen hat, dann kommt man da auch nicht mehr so schnell weg als Weisser, weil jeder will, dass man betet. Einige von uns wurden dabei von den Friedhofsbesuchern sogar gefilmt... Wenn man dann gebetet hat, kriegt man auch danach immer das Brot, das alle auf den Friedhof mitbringen, sodass man dann mit einer grossen Tuete voll (schon leicht hartem) Brot nach Hause kam!

Das sind so ein paar Unterschiede, die man halt so in Deutschland nicht kennt!