So, jetzt bin ich schon zwei Wochen in Kenia, wenn ich
zurückdenke, sind diese echt schnell vergangen. Auch in meinem Stadtteil
„Kahawa“ fühl ich mich inzwischen ganz wohl, am Anfang war ich da eher
skeptisch, auch wegen Sicherheit, aber man kann sich hier auch nachts gelinde
draußen aufhalten, ist schon ne ruhigere Gegend.
Wo man langläuft wird man angeglotzt, aber weiße Leute sind echt so selten, dass sogar ich, wenn ich einen sehe, ihn anstarre und in Gedanken Mzungu nenne.
Mein chinesischer Mitbewohner ist jetzt geflogen, das ist ein bisschen schade, mit dem hab ich mich echt einwandfrei verstanden und wir hatten auch ständig was zu lachen. Das erste Wochenende war ich mit ihm und vier seiner Pekingschen Freunde am Indischen Ozean, auf Lamu Island. War herrlich da. Nur die Nacht-Busfahrt war unkomfortabel dass´s knallt, auf welligen Pisten in der letzten Reihe und zwischen zwei Chinesen hab ich dann nur bedingt und von kurzer Dauer geschlafen. Wenn ich da etwas gelernt habe, dann dass das Klischee, Chinesen würden überall und jederzeit schlafen können, auf jeden Fall wahr ist, und dass dabei ihre Köpfe von West nach Ost in kürzester Zeit fallen, hab ich auch anhand einer oder zweier Kopfnüsse erfahren dürfen.
Wir waren dann auf Segelbootstour, haben mit simplen
Schnüren geangelt, auf dem Boot gegrillt und gegessen, den Sonnenuntergang
betrachtet, Esel geritten und mit den Einheimischen ohne Ende verhandelt, die
machen die Preise für Weiße grundsätzlich erstmal doppelt so teuer.
Auch in meine Arbeit finde ich mich gerade gut ein. Es gibt drei Schulen, die erste ist die Grundschule für Vorschulkinder und für 1. und 2. Klasse. Die sind natürlich witzig und süß, wenn ich jemanden Bestimmtes was frage und ein anderer weiß es, der reckt sich dann so hoch er kann und sagt durchgehend „teacher, teacher, teacher“. Und wenn ich was erkläre und dann, eigentlich eher für mich selber, frage „ok?“, dann sagen sie immer im Chor „yes!“ Und in Mathe rechnet man halt nicht mit Äpfeln, sondern mit Mangos, ooohh, endlich habe ich wieder Mangos, die habe ich schon in Bolivien gemangpft.
Die zweite Schule ist auch eine Grundschule. Dort kommen
zweimal in der Woche 4-5 Flüchtlinge mittleren Alters, u.a. aus dem Kongo, die besseres
Englisch lernen wollen, und die das von uns gelehrt bekommen. Mein ostasiatischer
Freund hatte diese Klasse, und ab jetzt übernehme ich sie. Ich hatte eine
Stunde bis jetzt und ich war sehr angenehm überrascht, die sind richtig
dankbar! Nach einer langen Stunde, in denen sie Verben in der richtigen
Zeitform in Sätze einbauen mussten, sagte dann der eine: „We can call it a
day!“
Dann ist da noch die High School. Da hab ich letzte Woche
ein Einzel-„Beratungsgespräch“ gehabt. Die Lehrer schicken da manchmal Kinder
mit gewissen Problemen zum Gespräch, das wir führen. Aber das war mein dritter
Tag und ich war da echt maßlos überfordert und danach richtig frustriert. Es
ging um ein Mädchen, dessen Mutter im Dezember verstorben ist und da in Kenia
einfach übertrieben viele Mütter alleinerziehend sind, wie im Falle des
Mädchens, wurde sie zu einer Waise. Und sie erzählte dann, wie mutlos sie war
und dass sie nicht wisse, wie es für sie in einem Jahr nach ihrem
Schulabschluss weitergehen solle. Dazu kommt noch, dass das kenianische
Englisch seine Tücken hat und ich nicht alles so deutlich verstehe, dann will
man sie in ihrem Monolog ja auch nicht ständig unterbrechen. Dann gib ihr da
mal einen nützlichen Ratschlag. Es kam dann meine kenianische Kollegin dazu,
und die haben dann mehr auf Souaheli geredet. Am Ende hab ich ihr halt versucht
Mut zu machen, dass sie ein starkes Mädchen sei, so wirkte sie auch auf mich,
und dass sie die Ohren steif halten soll. Aber an dem Tag war dann die Luft
raus. In der Schule habe ich seit
gestern die 9. Klasse. Ich habe mal angefangen, ihnen ein bisschen deutsch und
Wissen über Deutschland zu lehren. Die sind für ihr Alter echt anständig und
scheinen wissensdurstig, aber das ist Kenia, die sind in allen Schulen recht
diszipliniert, wahrscheinlich weil hier noch der gute alte Stock seinen Einsatz
findet.
Nairobi ist so staubig und dreckig, da kann man seine
Kleidung nur einen Tag tragen, das wird so schnell schmutzig, ich trag sie
trotzdem meistens zwei Mal, dann muss ich nicht so viel waschen!