Mittwoch, 27. Februar 2013

Malaika Nakupenda Malaika


So, jetzt bin ich schon zwei Wochen in Kenia, wenn ich zurückdenke, sind diese echt schnell vergangen. Auch in meinem Stadtteil „Kahawa“ fühl ich mich inzwischen ganz wohl, am Anfang war ich da eher skeptisch, auch wegen Sicherheit, aber man kann sich hier auch nachts gelinde draußen aufhalten, ist schon ne ruhigere Gegend.
Wo man langläuft wird man angeglotzt, aber weiße Leute sind echt so selten, dass sogar ich, wenn ich einen sehe, ihn anstarre und in Gedanken Mzungu nenne.
Mein chinesischer Mitbewohner ist jetzt geflogen, das ist ein bisschen schade, mit dem hab ich mich echt einwandfrei verstanden und wir hatten auch ständig was zu lachen. Das erste Wochenende war ich mit ihm und vier seiner Pekingschen Freunde am Indischen Ozean, auf Lamu Island. War herrlich da. Nur die Nacht-Busfahrt war unkomfortabel dass´s knallt, auf welligen Pisten in der letzten Reihe und zwischen zwei Chinesen hab ich dann nur bedingt und von kurzer Dauer geschlafen. Wenn ich da etwas gelernt habe, dann dass das Klischee, Chinesen würden überall und jederzeit schlafen können, auf jeden Fall wahr ist, und dass dabei ihre Köpfe von West nach Ost in kürzester Zeit fallen, hab ich auch anhand einer oder zweier Kopfnüsse erfahren dürfen. 
Wir waren dann auf Segelbootstour, haben mit simplen Schnüren geangelt, auf dem Boot gegrillt und gegessen, den Sonnenuntergang betrachtet, Esel geritten und mit den Einheimischen ohne Ende verhandelt, die machen die Preise für Weiße grundsätzlich erstmal doppelt so teuer. 


 Auch in meine Arbeit finde ich mich gerade gut ein. Es gibt drei Schulen, die erste ist die Grundschule für Vorschulkinder und für 1. und 2. Klasse. Die sind natürlich witzig und süß, wenn ich jemanden Bestimmtes was frage und ein anderer weiß es, der reckt sich dann so hoch er kann und sagt durchgehend „teacher, teacher, teacher“. Und wenn ich was erkläre und dann, eigentlich eher für mich selber, frage „ok?“, dann sagen sie immer im Chor „yes!“ Und in Mathe rechnet man halt nicht mit Äpfeln, sondern mit Mangos, ooohh, endlich habe ich wieder Mangos, die habe ich schon in Bolivien gemangpft.

Die zweite Schule ist auch eine Grundschule. Dort kommen zweimal in der Woche 4-5 Flüchtlinge mittleren Alters, u.a. aus dem Kongo, die besseres Englisch lernen wollen, und die das von uns gelehrt bekommen. Mein ostasiatischer Freund hatte diese Klasse, und ab jetzt übernehme ich sie. Ich hatte eine Stunde bis jetzt und ich war sehr angenehm überrascht, die sind richtig dankbar! Nach einer langen Stunde, in denen sie Verben in der richtigen Zeitform in Sätze einbauen mussten, sagte dann der eine: „We can call it a day!“
Dann ist da noch die High School. Da hab ich letzte Woche ein Einzel-„Beratungsgespräch“ gehabt. Die Lehrer schicken da manchmal Kinder mit gewissen Problemen zum Gespräch, das wir führen. Aber das war mein dritter Tag und ich war da echt maßlos überfordert und danach richtig frustriert. Es ging um ein Mädchen, dessen Mutter im Dezember verstorben ist und da in Kenia einfach übertrieben viele Mütter alleinerziehend sind, wie im Falle des Mädchens, wurde sie zu einer Waise. Und sie erzählte dann, wie mutlos sie war und dass sie nicht wisse, wie es für sie in einem Jahr nach ihrem Schulabschluss weitergehen solle. Dazu kommt noch, dass das kenianische Englisch seine Tücken hat und ich nicht alles so deutlich verstehe, dann will man sie in ihrem Monolog ja auch nicht ständig unterbrechen. Dann gib ihr da mal einen nützlichen Ratschlag. Es kam dann meine kenianische Kollegin dazu, und die haben dann mehr auf Souaheli geredet. Am Ende hab ich ihr halt versucht Mut zu machen, dass sie ein starkes Mädchen sei, so wirkte sie auch auf mich, und dass sie die Ohren steif halten soll. Aber an dem Tag war dann die Luft raus.  In der Schule habe ich seit gestern die 9. Klasse. Ich habe mal angefangen, ihnen ein bisschen deutsch und Wissen über Deutschland zu lehren. Die sind für ihr Alter echt anständig und scheinen wissensdurstig, aber das ist Kenia, die sind in allen Schulen recht diszipliniert, wahrscheinlich weil hier noch der gute alte Stock seinen Einsatz findet.
Nairobi ist so staubig und dreckig, da kann man seine Kleidung nur einen Tag tragen, das wird so schnell schmutzig, ich trag sie trotzdem meistens zwei Mal, dann muss ich nicht so viel waschen!

Freitag, 15. Februar 2013

Nairobi die Erste


Grüezi oder halt Jambo!!!

Also ich denke, ich schreibe vielleicht wieder ein bisschen für Euch (und auch für mich als Tagebuch). Jetzt am Abend des zweiten Tages habe ich auch ein bisschen Ruhe das erste Mal.
Es gibt natürlich einen Haufen erster Eindrücke, der erste ist offensichtlich die Hautfarbe der Kenianer. Bisher habe ich wirklich herzlich wenig weiße Leute gesehen, und wenn dann sind es auch Leute, die hier mit AIESEC, der Studentenorganisation, ein Praktikum machen. Man wird dann natürlich oft angesehen und vor allem von Kindern „muzungu“ genannt. Aber Kenianer sind nach meinen bisherigen Eindrücken wirklich herzlich.
Nach einem 11-stündigen Flug, auf dem ich nicht so viel schlafen konnte wegen Umsteigen und so weiter, musste ich dann nochmal vier Stunden am Flughafen warten, erstens, damit es erstmal Tag wurde und zweitens, weil mich dann Leute von AIESEC abholen sollten. Die Kommunikation hat aber ned so funktioniert und ich wollte grade ein Taxi nehmen, da kamen zwei Nairobianerinnen auf mich zu und haben glücklicherweise auf den Richtigen getroffen. Der Taxifahrer, den sie organisiert hatten war auch nicht grad ein Glückspilz, von der Polizei rausgezogen, mitgenommen und sich zu einer Bestechungssumme von etwa 10€ gezwungen gesehen, kam er dann lachend zurückgelaufen und fuhr mich zu meinem Hostel. Das Hostel war auf den ersten Blick echt assi, es liegt in der Nähe der Arbeitsstätte, aber 15 km vom Stadtzentrum entfernt. Es ist zwar in einer Studentenwohngegend und daher auch nicht gefährlich, aber schon etwas slum-artig: Staubig, dreckig, unbebaute Straßen, aber ich kann auch noch nicht sagen, inwiefern das normal ist, weil ich noch nicht viel anderes gesehen hab. Aber ich habe einen ziemlich witzigen Chinesen zum Mitbewohner, der auch im gleichen Projekt ist, der erklärt mir eigentlich immer alles und redet einen ganzen Haufen. Aber er geht nächste Woche leider schon.
Es gab dann noch ein kleines Treffen mit anderen Freiwilligen, das aber leider auch nicht so viele sind.
Und nach einer relativ angenehmen Nacht in Bezug auf das Bett mit durchgelegenem Rost und Matratze ging´s dann am nächsten Morgen um halb 8 ins Büro. Kennenlernen des Koordinators und zwei weiteren Praktikantinnen von Nairobi und danach zu Fuß zu einer Grundschule. Der etwa 30minütige Marsch in der prallen Sonne war gleich mal eines ordentlichen Schusses Sonnencreme würdig (ein bisschen Röte bleibt natürlich dennoch nicht aus ;) ) und dann ging´s los!
 Ich war erst bei den ganz Kleinen, den Vorschulkindern quasi, und total unvorbereitet und nichts ahnend sollte ich dann gleich mal eine Stunde mit ihnen machen. Ich habe es dann mit Englischunterricht versucht (hier ist ja Souaheli – hakuna matata und so – und Englisch Amtssprache, aber in den Slums und in dem Alter können die Kids Englisch noch nicht so gut), es war echt lustig, auch wenn sie vielleicht nicht so viel verstanden haben. Heute habe ich mit ihnen Mathe gemacht, aber ich glaub, das was ich ihnen beibringen wollte war viel zu anspruchsvoll, 15+16-8, das haben nur die Besten hingekriegt, sag ich mal, sind aber nur sieben Kinder in der Klasse.
Dann waren wir noch in der 8. Klasse (die Grundschule geht hier bis zur 8.) und da sollte ich dann, ebenso wenig vorbereitet und mir vom Rektor aufgetragen, sowas wie Beratung machen, über die Wichtigkeit von Schule und Hausaufgaben und den Gefahren von mangelnder Bildung. Das hat mich schon herausgefordert, aber die Schüler haben echt gut mitgemacht, waren super-höflich und hatten auch einige tolle Ideen zum Beitragen.
Ich schreib bald mal wieder!!!