Mittwoch, 16. Dezember 2009

Weihnachtliche Gruesse

So, liebe Sportsfreunde, der Volleyball-Wettbewerb hat ein Ende gefunden und ich muss sagen, erstklassig!! Wir hatten aber auch viel Glueck, sowohl Halbfinale als auch Finale haben wir den ersten Satz verloren und den zweiten gewonnen. Beim dritten dann jeweils, glaube ich, 15 zu 13 gewonnen.














Der froehliche Benjamin mit dem Pokal, beide sollten dann von innen auch nicht lange trocken bleiben!














Das sind wir vom Projekt trabajadores, stolze neue Erste. Darueberhinaus neue Besitzer von Thermoskannen!

Mein Chef, der Zenon, der hat ´ne Frau. Und auch die arbeitet mit armen Leuten und zwar mit Frauen aus El Alto, also die Hochebene, wo "Armut reichlich" vorhanden ist. Mit denen macht sie Handwerkskunst und im Dezember haben die ein Geschaeft in der Touri-Einkaufs-Zone eingeweiht und eroeffnet.














Erst alles nicht soooo beeindruckend. Das Highlight war dann auch eine schoene Power-Point-Praesentation, die aufgrund von Platzmangel an der Decke stattfinden musste. Leider kein gutes Bild geworden zwecks blitzfrei. Ein Fotograf muss eben diskret arbeiten. Viele Kleider und Taschen wurden praesentiert, aber wie es eben so ist: Das Schoenste zum Schluss - die Haeppchen, hehehe.

Vor drei Wochen habe ich hier dann auch das erste Mal einen Friseur von drinnen gesehen. Eine bolivianische Dienstleistung von 1 Oiro 20. Und ich muss sagen, dem Preis entsprechend ok, also ich bin zumindest mal nicht nach Hause gegangen und habe mich in meinem Zimmer eingeschlossen um zu weinen... Mir wurde aber gesagt, in der "Friseur-Meile" machen sie´s fuer 70 Euro-Cent, da seien sie aber auch alle vom anderen Ufer. Jeweils ein gutes Argument fuer pro und contra, da mal hinzugehen!


Zum Jahres- und Projektabschluss habe ich nicht nur fast all den Schuhputzern und Verkaeuferinnen meines Projektes ihr Geld zurueckgegeben, sondern mit einigen, die zu Anfang des Jahres einen Zielsparplan entworfen haben, ging ich dann auch eben diese Ziele verwirklichen, indem ich meine Sparerinnen zum Einkauf begleitete.


















Hier sehen wir die Sofía, Mutter von zwei Kindern und jetzt auch einem Gasherd.














Und hier die María Luisa, die man nie ohne ein paar Koka-Blaetter zwischen ihren Backen sieht, darum swaetzt si auck imma ain bisse undeudlick... Sie war bei der ersten Verabredung eine dem bolivianischen Brauch angepassten Stunde zu spaet (da war ich schon weg) und bei der zweiten und dritten tauchte sie gar nicht erst auf. Irgendwann hat´s dann aber doch geklappt und zum froehlichen Abschluss gab´s noch ne kleine Coca-Cola.
Zu den zwei angesprochenen Cocas:
1.Das Koka-Blatt wird hier nicht als Droge definiert. Die Blaetter werden in den Mund gesteckt, um sich da eine Zeitlang anzufeuchten um beim Kauen nicht zu zerbrechen. Wenn sie gut feucht sind (habe gelesen, das kann bis zu einer dreiviertel Stunde dauern, fuer mich tut´s da auch ne halbe Minute), kaut man drauf los. Man befindet sich jetzt dann auch nicht gerade im Delirium, spuert kurz aber schon ein bisschen was.
2.Die kleine Cola-Flasche gibt´s fuer einen Boliviano, sehr beliebt, mit Pepsi dicht auf den Fersen!

Am 6. Dezember kam nicht nur der Nikolaus (jeder Volontaer hat jedem anderen was in seinen Stiefel gestellt), sondern auch der Evo! Damit meine ich den seit 2005 ersten indigenen Staatspraesidenten von ganz Suedamerika , er nennt sich Evo Morales (hier verstaendigt man sich nur mit den Vornamen von Politikern) und hat am 6.12. seine zweite Amtsperiode fuer Boliviens Staatsfuehrung gewonnen. Da hatte auch der gute Manfred, einer seiner Mitkandidaten, keine Chance!! Eine Mehrheit von 62%. Jetzt wird hier allerdings auch befuerchtet, dass sich da so was wie die Geschichte Kubas, also Sozialismus, anbahnen koennte, weil er sich eben so stark fuer die arme, einheimische Bevoelkerung einsetzt.



Es gab, wie Ihr Euch vielleicht erinnert, schon eine grosse Kirmes von der fundación. Und Bayern verhaelt sich zum Saarland, wie gross zu - naaaa? - genau: klein!!
Eine kleine Kirmes also, von den Muettern und Betreuerinnen des arco-iris-Kindergartens organisiert. Da gab´s alles in klein, sogar die Gerichte wurden nur als Kinderportionen angebietet.














Die kleinen haben sich als Erwachsene verkleidet und lustig getanzt.


Das letzte Mal habe ich von dem Ausflug in´s Blaue, aehh, Gruene berichtet, nach Jupapina. Das haben wir wiederholt, dieses Mal jedoch mit anderen Sparern. Es gab nicht viel Neues. Wieder das Picknick und schoene Spiele. Doch dann hat der Super-Papparazzi B.S., der hier lieber anonym bleiben moechte, das Skandalfoto der Volontaere geschossen:


















Jonathan und David: Dreamteam in einer Spielvariante von "der Fuchs geht um", oder tatsaechlich neues Traumpaar, das auch schon oefters auf der Friseur-Meile gesichtet worden sein soll ;) Man weiss es nicht. Nein, quatsch, das war da natuerlich spielregelbedingt, dass man sich einen Partner an die Hand nimmt und dann, wie bei ¨Der Fuchs geht um¨ um den Kreis rennt, nur eben zu zweit.

Kurz vor Abfahrt jedenfalls kam der Jonathan mit einer Kaktusfeige in der Hand und hat die gegessen. Ich war mega-beeindruckt und erwachsen wie ich bin, wollte ich das natuerlich nicht unversucht lassen. Er rief noch nach "Vorsicht Stachel!" und ich dachte nur: Yeah yeah, whatever. Mein Versuch, sie zu schaelen war mal wieder ein Schuss in den OOOoooofeeen, dann kam meine Chefin die Ana daher und meinte: "Lass das jemanden machen, der das kann". Waehrend sie zu schaelen versuchte, hatte ich was im Auge und habe mich gerieben. Einige Sekunden spaeter fiel der Ana die Feige auf den Boden und ich hatte wohl einen Stachel im Auge. Keine Gluecksmomente meinerseits, sag ich mal!
Waehrend der Rueckfahrt habe ich dann ununterbrochen in meinem Auge rumgepopelt, aber nichts schien rauszugehen. Es hat anfangs auch nicht wirklich geschmerzt. Als ich dann zum Augenarzt ging und der mit seiner Maschine reinleuchtete, meinte er, da sei auch nix drin. Im Endeffekt war´s dann eine Entzuendung, die sich Gott sei Dank mit Augentropfen entfernen liess. Am Augapfel ist wieder alles rundum gesund. Man muss halt aufpassen wie die Haftelmacher!
Seit meiner Kindheit dachte ich wegen dem Kaktus-Eis, der Kaktus sei mein Freund - so kann man sich taeuschen.
Zwar ging´s meinem rechten Aeuglein wieder gut, doch gleich darauf meldete sich mein Weissheitszahn aus seinem hinteren linken Eck, aber lassen wir das...


Seit dieser Woche habe ich meinen Arbeitsplatz wechseln muessen, den ich bis Ende Januar dann belegen werde. Dieser befindet sich im Maedchenheim "Niñas Obrajes". Urspruenglich wollte ich in´s Casa Esperanza, dem Jungenheim, das schon bei den Kennenlerntagen als Favorit in´s Rennen ging. Ueber die Weihnachtsferien, wo viele der Angestellten Urlaub haben und auch die auf der Strasse agierenden Projekte nicht stattfinden, durften insgesamt vier Volontaere in das Jungenheim gehen, es wollten aber fuenf. Wenn Adam Rieses Theorie der Mathematik wirklich der Wahrheit entspricht, war das also einer zu viel. Wir haben schliesslich ausgelost und die Lottofee war mir nicht hold. Im Endeffekt vielleicht aber doch, denn es gefaellt mir bis jetzt wirklich gut mit den Maedels. Die Mehrheit ist liebenswuerdig und aufgeschlossen.

Ja, soweit mal von mir. Euch Lieben zu Hause wuensche ich wunderschoene und besinnliche Weihnachten und geruhsame Feiertage und wenn ich schon dabei bin auch noch einen guten Rutsch in´s Jahr 2010!!!
Fragt mich nicht nach Vorsaetzen, die werden eh nicht eingehalten!
Von Weihnachten berichte ich dann natuerlich!
Bleibt allesamt gesund!!!

Benny

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Novembertage

So, es wird wieder einmal Zeit, was von mir hoeren zu lassen, denn ich weiss, ich mach das nicht so haeufig!

Das letzte Mal habe ich ja von dem Friedhofsbesuch an Allerheiligen berichtet - hier kommen mal ein paar Bilder!




















War echt krass ueberfuellt der Friedhof, sieht man hier auf dem Bild vielleicht nicht ganz so gut, aber man musste sich schon durchdraengen! An den Waenden, die man hier sieht, werden die Saerge eingeschoben. So Graeber, wie man sie in Deutschland kennt, gibt es auf diesem Friedhof nicht, nur auf dem fuer Reiche.























Hier sieht man mich nach meinem ersten Gebet mit meinem stolzen Gewinn, ich nannte es "Fury" und da wusste ich noch nicht, dass noch viele folgen sollten und ich mit einer vollen Tuete Brot und Kleingebaeck heimgehen wuerde. Als ehemaliger Ministrant war ich da quasi der King beim Beten.


Es gab im November auch ein projektinternes Fussballturnier mit Schuhputzern und Verkaeuferinnen. Auch wir Volontaere haben mitgemacht und wie am Anfang habe ich wieder mal alles gegeben ohne zu ahnen, dass ich noch nicht wirklich an Hochleistungen hier oben gewoehnt bin. Ich bin wieder mal schnell ziemlich ausgepowert gewesen und habe somit auch nicht unerheblich dazu beigetragen, dass wir alle Spiele verloren haben...
















Ruben in Aktion

Darueberhinaus findet derzeit ein allsamstaegliches Volleyballturnier statt, das wir schon seit vielen Wochen austragen und diesen Sonnabend (boho, was fuer eine Umschreibung!) finden Halbfinals und Finals statt und meine Gruppe ist qualifiziert, yeah. Das habe ich meinem ehemaligen Sportlehrer Herr Nitschke zu verdanken. Wo immer Sie jetzt auch sind und was Sie tun - danke!
















Ich hoffe, wir gewinnen, meine Chefs waren immer so enthusiastisch mit dem Trainieren, dass wir uns schon immer Ausreden vorher ausdenken mussten!

Aber nichtsdestotrotz, meine Chefs sind schon wirklich nett und herzlich. Man kann echt viel Spass mit ihnen haben.
















Hier zum Beispiel (von links nach rechts Zenon, Ana, Carmiña - die Chefs - Jonathan und David - die auch in dem Projekt sind) waren wir eines Nachmittages im Haus der Volontaere, denn nach viermonatigem Training, in dem es da nur dich, das Ei und die Pfanne gibt, habe ich eingeladen zum ultimativen Spiegelei-Contest! Die Bedingungen waren ein Ei und zwei weitere Elemente. Meine Wahl war hart, ich entschied mich fuer Kaese und Paprika - nicht ganz der Klassiker, aber auch nichts aussergewoehnliches. Das vom Zenon ist verbrannt und Carmiñas war jetzt nicht so der Renner, so dass David und ich den ersten Platz belegten. Preise gab´s leider nicht...



Jetzt zum Jahresende gibt es viele Aktionen und Geschenke fuer die ganzen Sparer. So haben wir eines Tages auch einen Ausflug nach Jupapina (etwa: dem Land der Ananas) ins Gruene gemacht, raus aus der Stadt!















Das sind die Verkaeuferinnen, mit ihren Roecken und Zoepfen Cholita genannt, beim Kicken. War echt lustig, wie die sich da auch immer ins Zeug reingelegt haben.
Es gab noch andere Gruppenspiele, war ganz schoen, der Ausflug!

























Viele hatten auch ihre Kinder mitgenommen, auf die wir dann aufgepasst haben. Eins von denen, dass ich auf dem Arm hatte, hat mich angefurzt, ein anderes hat nur geschrien; war trotzdem nett.



















Sehr beliebt hier ist auch das apthapi, das wir da auch gemacht haben: Ein Picknick, wo jeder eine Beilage mitbringt und sich jeder dann das auf den Teller schoepft, wonach ihm ist. Links im Bild sieht man auch den padre, der da auch da war und eine Messe abgehalten hat.


Der Volontaersausflug fand in Tiwanaku statt, einer alten Ruinenstadt oder so was. Wer mich kennt, weiss, dass ich auf solchen Fuehrungen ueber alte Sachen schnell und gerne die Konzentration verliere (wie im Geschichtsunterricht halt immer). Und wenn dann die Statuen nicht uebertrieben interessant sind, dann muss ich zugeben, dass ich nicht viel davon berichten kann (so wie jetzt, oder dementsprechend in den Geschichte-Klassenarbeiten).



















Wir hatten strahlend blauen Himmel!!! ...ach ja, eine der Statuen!























Das sind Christian und ich beim Verspotten der Statue.
















Lustige Gesichter aus Stein...




Dann gab es noch eine grosse Taufe innerhalb der fundación. Das waren glaube ich um die 80 Taeuflinge, alle vom padre und einem anderen Priester geweiht!
Das alles fand in der Kirche San Francisco statt. Schoene Feier muss man sagen.




























Viele Volontaere waren auch Taufpate von den Kinder in den Heimen und eine Volontaerin hat sich sogar selber taufen lassen:















Die Marcia wurde also vom padre getauft, mit Krissi und Jonathan als Paten und Joni, Ani, Clemens und ich und viele mehr als Papparazzi.


Jetzt muss ich auch leider schon wieder los - Volleyballtraining!